Zone de Texte: Liebe Leserin, lieber Leser

Die westliche Welt lebt in Saus und Braus. Die Bevölkerung isst mehr als ihr gut tut, sie arbeitet weniger als sie sollte und sie gibt mehr Geld aus, als sie hat. Nicht nur Einzelpersonen und Kleinfirmen gehen bankrott, neuerdings sind es auch Multinationale und ganze Länder. Man denke nur an Lehmann Brothers, Island und Griechenland.

Das Ganze nimmt immer gigantischere und bedrohlichere Dimensionen an. Die Regierungen versuchen mit dem Geld der Steuerzahler zu helfen, wo und wie nur sie können, leider ohne Erfolg. Kaum sind die in Schieflage geratenen Banken, Währungsunionen und Länder saniert, schon geht der Spuk des Kasinokapitalismus und Raubrittertums weiter. „Die Boni dürfen nicht besteuert werde, sonst wandern uns die besten Leute ab“, sagen uns die Politiker. „Wenn das die Besten sein sollen, warum haben die denn solchen Scheiss gebaut“, frage ich zurück. Hilflos und bar jeglichen Vertrauens in die Politik schauen wir dem Kesseltreiben zu.

Im Rausch des Wirtschaftswachstums, der Geldgier und der Habsucht verbauen wir leichtsinnig den schönsten und fruchtbarsten Boden, mit Sicherheit unser wertvollstes Gut. Wir verseuchen den Golf von Mexiko mit Erdöl und kippen giftiges Schmutzwasser in grossen Mengen an der Elfenbeinküste einfach weg. Die Schäden sind irreversibel, aber wir nehmen sie offenbar in Kauf.

Ich mache mir Sorgen um die Zukunft. Wie lange noch wird Mutter Erde diesem Raubbau standhalten, bis sie zurückschlägt? Experten der OECD prognostizieren die baldige Verknappung der Energieressourcen, gefolgt vom Versiegen des Trinkwassers und Ausbleiben der Nahrungsgrundlage.

Nachdem die fruchtbare Ebene unseres Landes zerstückelt, zersiedelt und zu betoniert sein wird, werden wir die Lebensmittel wohl vermehrt wieder in luftiger Höhe produzieren müssen. Kuhalpung, Alpkäseproduktion und Wildheuen kommen wieder in Mode. Gott sei Dank dass es noch Leute gibt, denen das nicht Zuviel ist und die das schwierige Handwerk des Älplers noch verstehen. Zu ihnen gilt es besonders Sorge zu tragen.

Christoph Gerber, Verleger und Redaktor

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