Zone de Texte: Liebe Leserin, lieber Leser

Schon früher ist ab und zu Einer Konkurs gegangen. „Är isch vergältstaget“ hat man im Volksmund gesagt. Es handelte sich meistens um Einzelpersonen, Handwerker und Familienunternehmen. Oft sprangen dann die Mitbürger ein, je nachdem wie gut der Betroffene in der Gesellschaft verankert und wie existenzbedrohend seine Situation war. Unter den Loge-Mitgliedern kam ein besonderes Verfahren zum Einsatz. Beim ersten Bankrott wurde der Betroffene von seinen Kollegen saniert, beim zweiten jedoch erhielt er eine Pistolenpatrone.

Später erfasste der Bankrott zunehmend Unternehmungen wie Fabrikbetriebe, Bergbahnen, Fluggesellschaften, Sportclubs und anderes mehr. Die betroffenen Firmen werden in den Konkurs geschickt. Die Gläubiger verlieren ihre Investitionen und die Arbeitnehmer ihren Job. In einer sogenannten Auffanggesellschaft wird unter neuem Name und Besitzer wieder von Land gestossen, in der Hoffnung diesmal funktioniere es. SWISSAIR und Co, lassen grüssen! Um den Konkurs zu umgehen, hält man auch Ausschau nach einem Investor oder Geldgeber. Nur so gelangen Leute wie der Tschetschene Chagaev in den Besitz von Xamax Neuchâtel, zu welchem Zweck auch immer…

Mit der Überhandnahme des allesentscheidenden Kriteriums vom Wachstum, erfasste der Bankrott dann auch die Banken. Kaum zu glauben, die Finanzinstitute sind per Definition die Letzten, denen das Geld ausgeht. Nicht so die UBS, die als Folge ihrer Gewinn-Gier ins Wanken geriet. Sie musste gerettet werden, mit dem Geld der Bürger und dem Volksvermögen. Ohne die UBS riskiere die Schweiz unterzugehen, machte uns die Politik damals glaubhaft.

Nachdem nun die taumelnden Bankinstitute gerettet, sind die Staatskassen leer, riesige Schuldenberge haben sich aufgetürmt. Diverse Länder sind faktisch bankrott und zahlungsunfähig. Die Börsenspekulanten und Rating-Agenturen aber treiben ihr böses Spiel weiter. Die Einen wetten gegen die äusserst schwachen Euro und Dollar. Die Anderen stufen die bereits wüst lädierten Länder und Geldinstitute herab. Die ganze Welt gerät ins trudeln, den Volkswirtschaften geht es schlecht. Wer damals glaubte, die Schweiz ginge vor die Hunde ohne die UBS, der irrt. Wahrscheinlich wird sie „untergehen“, mit oder wegen der UBS.

Christoph Gerber, Verleger und Redaktor

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